Mit dem Rennrad in Rumänien – Teil 1

Bären am Weg

Mit dem Rennrad in Rumänien – Patrick Wimmer würde das wieder machen. Im Juli entdeckte der Keyaccount Manager für Kunststoff und Lichtwerbung mit fünf Freunden und Begleitfahrzeug spannende Routen in diesem Land. Ein Gespräch über Pferdefuhrwerke, die Karpaten und Bärenalarm.

Durch die Karpaten

Mehrere hundert Parallele-Passions-Kilometer wurden in Rumänien gefahren. Wie kommt ein Rennradbegeisterter aus Baden auf die Idee, dieses Land zu bereisen? „Ein Arbeitskollege hatte im vergangenen Jahr eine von ihm organisierte Karpatenrunde mit dem Motorrad gedreht. Von Polen ging es bis nach Österreich. Die Bilder, die er in seinen Status stellte, gefielen mir“, erzählt Patrick.

Gruppe schnell komplett

Patrick fragte eine einwöchige Rennradtour durch Rumänien an, drei Wochen später legte ihm der Freund einen Entwurf vor. Kämen sechs Leute mit, würde er es machen. Beide rührten die Werbetrommel, Patrick unter anderem beim RSV Hofweier, einem Radfahrverein, zu dessen Mitgliedern er gehört. Schnell war die Gruppe komplett, Flüge und Hotels wurden gebucht. Dann kam Corona und zunächst die Absage der Tour. Drei Wochen vorm Start stand fest: Die Reise findet statt.

Lust aufs Unbekannte

Am 9. Juli fuhr der Organisator die Räder im Begleitfahrzeug nach Sibiu, die Fahrer flogen von Baden-Baden aus hinterher – eine Flugverbindung, die den zahlreichen Erntehelfern zu verdanken ist, die auf badischen Feldern arbeiten. „Ich war gespannt. Die Bilder waren vielversprechend gewesen. Unberührte Natur, Pferdefuhrwerke – wir alle hatten Lust aufs Unbekannte“, so Patrick.

Aufbruch trotz Alarm

Sibiu war Start und Ende der Tour. Von dort aus startete das Team am ersten Tag die längste Strecke. Über 158 km und 1.100 Höhenmeter ging es nach Bran, tags drauf bis Corbeni, dann sollte die erste Bergetappe folgen. Am Vorabend gab es jedoch einen offiziellen Alarm auf alle Handys – der die einheimischen Gäste nicht zu interessieren schien. „Alle sahen zwar auf ihre Mobiltelefone, steckten die dann aber wieder weg und blieben ruhig. Also blieben wir das auch“, erinnert sich Patrick. „Denn es war Bärenalarm, was hieß, dass im weiteren Umkreis Bären gesichtet worden waren.“ Das hielt die Gruppe nicht davon ab, am nächsten Morgen aufzubrechen und die Transfogarascher Hochstraße bis ins Olt-Tal in Siebenbürgen in Angriff zu nehmen. Die Straße verläuft zwischen den zwei höchsten Bergen der Karpaten. Aufgrund ihrer Höhe wird sie auch „Straße in den Wolken“ genannt.

Gefährliche Rückfahrt

Eine angenehm hügelige Strecke führte ins Gebirge. Nach zehn Kilometern war der erste Bär in einem Gebüsch zu sehen, kurz darauf saß ein weiterer am Straßenrand. Patrick: „Dieses große braune Tier saß da und beobachtete den Verkehr, wir fuhren an ihm vorbei. Da dachte ich: Schade, meine GoPro hatte ihn gar nicht aufgenommen. Also fuhr ich zurück und ein weiteres Mal an ihm vorbei. Meine Freunde fragten mich später, ob ich mir Gedanken gemacht habe, dass das gefährlich hätte sein können. Da musste ich verneinen, daran hatte ich nicht gedacht. Hoffentlich habe ich den Bären nun auch wirklich drauf auf der GoPro, hab noch gar nicht nachgesehen …“

Hier gehts zu Patricks Strava – und Instagramprofil.

Im nächsten Teil geht es weiter mit Patricks Reise … bleibt gespannt!


Erster Teil Patricks kleiner Reisedokumentation:

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Ich bike, also bin ich

Menschen hinter der Parallelen Passion: Imme Mattern

Seit Ende Juli ist es amtlich: Imme Mattern ist eine der wenigen Frauen, die in den „Club des Cinglés“ aufgenommen wurden – in den Club der Verrückten. Das ist ein französischer Club für Fahrradfahrer, die innerhalb von 24 Stunden alle drei Routen des Mont Ventoux bezwungen haben. Ein Bergabenteuer in Corona-Zeiten.

Von Haus aus fotogen

Ihr Instagram-Profil lässt vermuten, dass Imme ein Model im besten Alter ist. Doch die Braunschweigerin winkt ab. „Ich bin als Controllerin tätig“, erzählt sie lachend. „Meine beste Freundin hat aber eine Boutique für Secondhand-Kleidung. In der lasse ich mich gerne fotografieren. Auch, um für Nachhaltigkeit zu werben!“

Sportlich mit VW-Bus

Imme ist eigentlich in der Welt der Bücher und der Kunst zu Hause. Sehr bald nach dem Studium sattelte sie aufs Steuerfach um. Außerdem begann sie, den Ausdauersport für sich zu entdecken. Sie begann mit dem Laufen, getreu dem Motto des großen Läufers Emil Zatopek: Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft. Auch an einem Marathon nahm Imme teil. „Nach einer Trennung saß ich vor ein paar Jahren alleine mit einem VW-Bus herum. Okay, dachte ich. Dann probiere ich das halt aus, solo mit dem Bus unterwegs zu sein“, erzählt Imme.

Drei Wochen Frankreich

Am liebsten tourt sie nach Italien und Frankreich. Da man ohne Fahrrad auf Campingplätzen aufgeschmissen sei, habe sie ihr Mountainbike und mittlerweile auch ein Rennrad immer dabei. Wegen Corona wollte sie im Sommer 2020 allerdings nicht so viel herumfahren wie sonst. So kam der Tipp eines französischen Bekannten gerade recht, drei Wochen im Juni auf einem kleinen Campingplatz am Mont Ventoux zu verbringen, mitten in der Provence.

Verrücktes Vorhaben

„Der Berg fasziniert mich auch kulturgeschichtlich“, schwärmt Imme. „Zur Einstimmung habe ich den berühmten Brief von Francesco Petrarca gelesen, der 1336 den Mont Ventoux bestiegen und darüber geschrieben hatte. Aber dies nur am Rande …“ Darüber hinaus schickte Imme ihre Unterlagen an den Club des Cinglés, den Club der Verrückten. In diesem sammeln sich Fahrradfahrer, die alle drei Asphaltrouten des Mont Ventoux innerhalb von 24 Stunden absolviert haben. Als Frau da reinkommen – das wär’s!, dachte sich Imme.

Karte auf den letzten Drücker

Doch an der Ausgabestelle für die Teilnahmekarten in Frankreich angekommen, wusste niemand etwas von Imme. Sie erfuhr statt dessen, dass sogenannte Last-Minute-Karten nicht ausgegeben werden, sondern die benötigten Stempelkarten ausschließlich mit etwas Vorlaufzeit über das Internet erhältlich sind. Nach ein paar Telefonaten wurde Imme glücklicherweise – und ausnahmsweise – das Teilnahme-PDF zugeschickt, das sie auf dem Campingplatz ausdrucken konnte.

Warten aufs Wetter

Imme hatte sich die „verrückte Tour“ ans Ende ihrer Urlaubswochen gelegt und zwei der Bergrouten bereits ausprobiert. Allerdings hieß es dann zunächst auf gutes Wetter warten. Denn auf dem baumlosen Mont Ventoux können Sonne und Wind den Radfahrern schwer zu schaffen machen. Schließlich war es so weit, Imme startete nachts um drei Uhr ab Malaucène. „Diese Route kannte ich noch nicht. Darum dachte ich: Wenn ich die schaffe, klappt das auch mit den beiden anderen Strecken“, erinnert sich die Powerfrau.

Unbekannte Tour zuerst

Mit der Stempelkarte in der Tasche, erreichte sie von Malaucène aus nach 21,2 km und 1.570 Höhenmetern um sechs Uhr früh das erste Mal den Gipfel. Es folgten eine kleine Pause und die Runterfahrt nach Bédoin, wo sich Imme um sieben Uhr früh den ersten Stempel in ihre Karte drücken ließ. Zwanzig Minuten später ging es ab Bédoin wieder hinauf – diese Stecke gilt als die schwierigste und ist legendärer Teil der Tour de France. 

Ganzer Tag Windstille

Um 10:40 Uhr war Imme oben angekommen, machte eine halbe Stunde Pause und sauste dann mit dem Gipfelstempel im Gepäck für den nächsten Stempel hinunter nach Sault. Kurz nach halb eins, mittlerweile in gleißender Sonne, fuhr sie die dritte und im Vergleich zu den anderen gemächlichste Route ab Sault retour bis zum Gipfel. „Den ganzen Tag hatte ich Glück mit dem Wind, er war einfach nicht da“, freut sich Imme, die nach einer glücklichen Abfahrt um 16:20 Uhr wieder Malaucène erreichte und sich den letzten Stempel eintragen ließ. Da hatte sich das Warten auf besseres Wetter wirklich gelohnt.

Einfach gefahren!

Vermutlich wegen der Corona-Situation wäre den ganzen Urlaub über eine gewisse Ruhe mit dabei gewesen. Sonst hätte sie bestimmt den Campingplatz häufiger gewechselt, um mehr vom Land zu sehen, und die Tour der Verrückten entweder gar nicht gemacht oder nicht geschafft. „So war ich einfach da, bei mir, und bin gefahren“, sagt Imme. „Ich bike, also bin ich. Das ist mein Motto.“

Ich bike, also bin ich. Das ist mein Motto.

Lange Tour zur Vorbereitung

Alle Kilometer aus Frankreich sind auch in die Parallele Passion mit eingeflossen. Imme kam durch die Absage-Mail der Mecklenburger Seenrunde auf die Charity-Challenge Die Parallele Passion und meldete sich umgehend in diesem Strava-Club an. Am ursprünglich geplanten Termin der MSR fuhr sie dann einfach eine eigene lange Strecke: Von Braunschweig ging es nach Lüneburg. „Ich wollte 300 km schaffen. Zwar wurden es nur 290, denn ich hatte kein Licht dabei. Aber Sicherheit geht bei allem Ehrgeiz vor – und für den Mont Ventoux war ich dann trotzdem sehr gut vorbereitet“, freut sich Imme.

So viele Kilometer allein – einsame Wölfin? Imme lacht. Nein, sie sei gerne so unterwegs. Beziehungsweise müsse man ja erstmal auf Gipfelstürmer treffen, die solche Touren mitmachen und fröhlich bleiben. Das Team der Parallelen Passion wünscht Imme auf jeden Fall immer gute Fahrt und vermutet: Wer Petrarca liest, aufs richtige Wetter warten kann und dann den Ventoux dreimal mit so einer Leichtigkeit überquert, der schafft es vermutlich auch noch, Model zu werden.

Hier gehts zu Immes Strava-Profil.

Und hier zu ihrem Instagram-Profil.

Radbegeistert in Berlin

Menschen hinter der Parallelen Passion: Arline Matzko

Treffpunkt nach Büroschluss an der Spree, ein heißer Sommertag geht zuende. Arline Matzko, Jahrgang 1980, Bürokauffrau und als Quereinsteigerin bei einer Hausverwaltung beschäftigt, lehnt ihr Rennrad an den Zaun. Endlich im Schatten. Unter einer grünen Trauerweide findet sich eine freie Parkbank. Eines ist klar: Arline ist radbegeistert in Berlin. Wie sie zum Fahrradfahren gekommen sei – und mit wem fährt sie heute? Sie überlegt kurz und erzählt

Kinderrad, große Pause, Rennrad

Als Kind bin ich viel Fahrrad gefahren. Mit 15 Jahren hatte ich einen Unfall mit dem Fahrrad. Danach bin ich lange Jahre gar nicht mehr gefahren. 2012 habe ich mir, inspiriert durch einen Freund, wieder ein Fahrrad gekauft und bin aus Lust und Laune herumgekurvt. Einen neuen Partner brachte hingegen ich zum Fahrradfahren – erst zum Mountainbike, dann sogar zum Rennrad. Obwohl ich selbst noch gar keines hatte.

Gemütlich durch den Spreewald

Meinem Partner hat das Fahren so einen Spaß gemacht, dass er in verschiedensten Städten bei zahlreichen Jedermannrennen teilnahm. Ich war zum Anfeuern und Applaudieren mit meinem Sohn immer dabei. 2019 fuhr mein Partner den Spreewald-Marathon. Bei der Gelegenheit merkte ich: Wow, die fahren ohne Zeitdruck, dazwischen gibt es was zu essen, das ist toll! Also kaufte ich mir ebenfalls ein Rennrad, um solche Touren mitfahren zu können.

Fahrradfahren erinnert mich

Leider verstarb mein Partner in diesem Jahr, Ende Mai. Er war 56 Jahr alt. Dass ich durch ihn zum Rennradfahren gekommen bin, ist für mich wie ein Vermächtnis. Gegenwärtig hänge ich wegen des Verlusts ein wenig durch. Aber ich fahre regelmäßig, das Fahren erinnert mich ja auch an ihn.

Für gute Zwecke find ich gut

Sehr gerne fahre ich lange Strecken, auch wenn man in meinem Strava-Profil einige kürzere Strecken findet. Die Parallele Passion wurde mir bei Strava irgendwann vorgeschlagen. Ich fand das interessant. Dass man bei Die Parallele Passion für gute Zwecke fährt, wusste ich bislang nicht. Toll, dass ich mit meinen Kilometern Fahrradfreuden für Kinder unterstützen kann.

Sohn fährt mit

Viel unterwegs bin ich mit meinem elfjährigen Sohn. Als er sechs Jahre alt war, ist er mit uns seine erste 50-km-Tour mitten durch den Wald gefahren, und zwar während eines Urlaubs bei Soltau. Mein Partner kannte die Gegend aus seinen Kindertagen, darum fuhren wir dort gerne hin. ‚Es waren aber 52 km!’, sagt mein Sohn gerne.

Kleines Rennrad, große Geschwindigkeit

Damals fuhr mein Sohn noch ein schweres Mountainbike. Zu seinem Geburtstag Anfang Mai bekam er von uns sein erstes eigenes Rennrad geschenkt, ein Kinderrennrad. Danach hatten wir lange gesucht. Seither fährt er aber tatsächlich nur mit mir. Seine Freunde können nämlich nicht mithalten. Sie haben schwergängige Fahrräder, mit solchen Gestellen macht es dann verständlicherweise keinen Spaß. Ich finde das schade und würde mich freuen, wenn mehr Kinder praktische, gut laufende Fahrräder hätten.

Strecke machen ist out

Allgemein scheint Fahrradfahren bei Kindern nicht so beliebt zu sein. Ein Freund von mir, der im Profiradsport gefahren ist, erzählte mir, dass die Vereine keinen Nachwuchs mehr fänden. Die Kinder spielten lieber Fußball. Fahrradfahren, Strecke machen – das gilt als langweilig.    

Verein gesucht

Natürlich gibt es auch Gruppen für Mountainbiker. Doch was ich da bisher gefunden hatte, war nicht kompatibel mit den Schulzeiten. Also fahren wir erstmal zu zweit, zum Beispiel entlang der Panke, da gibt es einen Bewegungspfad, den wir ebenfalls gerne absolvieren. Oder wir radeln einfach zur Eisdiele. Ja, ich würde mich sehr freuen, einen geeigneten Verein für meinen Sohn zu finden.

Stöbern im Blog

Außerdem bin ich auf der Suche nach erwachsenen Radbegeisterten, denen ich mich anschließen kann. Danke für den Tipp, im Blog der Parallelen Passion auf die Suche nach Gleichgesinnten zu gehen. Romy Förster wohnt zum Beispiel ebenfalls in Berlin. Mit einer erheblich längeren Tour könnte ich Frida Löber besuchen.

Radfahren ist in meiner Geschichte viel mit Menschen verbunden. Wenn man es darauf anlegt, findet man hier bei der Parallelen Passion tolle Leute, mit denen man fahren kann.

Der Schatten unterm Baum ist dem Abendlicht gewichen. Danke, liebe Arline, dass Du uns an Deinem Fahren und Deiner Geschichte hast teilhaben lassen. Wir freuen uns, dass Du bei der Parallelen Passion dabei bist und wünschen Dir immer eine gute, sichere Fahrt.

Danke, sagt Arline und bringt ihre Stecklichter am Rennrad an. Wir winken ihr nach und rufen „Bis bald!“.

Merkwürdigkeiten

Betrachtungen aus 20 Wochen Rennradfahren

In regelmäßigen Abständen berichtet Lars Richter über seine Erfahrungen als Einsteiger in den Rennradsport. Er nahm uns bereits mit auf eine Sinnesreise rund um die Leipziger Seen, erzählte uns von seinem kleinen Fahrradwunder und ließ uns an seiner Radtour an die Ostsee teilhaben. Nun sind insgesamt 20 Wochen vergangen und es ist Zeit für ein kleines Resümee über die kleinen und großen Merkwürdigkeiten, die der neue Lebensstil mit sich bringt.

Ein kurzer Rückblick

Seit dem 1. März 2020 fahre ich nun regelmäßig mit dem Rennrad. Das sind Stand heute 143 Tage. Mir kommt es so vor, als hätte ich die letzten Jahre mit Sport, Rennradfahren und ständiger Bewegung verbracht. Doch das stimmt so nicht. Ich war eine Couchpotato und habe mein Leben einige Jahre in innerer und mit äußerer Ruhe verbracht. Mein Bodymassindex war unschön hoch – und ist es wohl auch noch…

Aber ich fühle und erlebe mich mittlerweile völlig anders. Dazu später mehr.

Drei Mal habe ich mich mit dem Rennrad „hingebrettert“, was zu einer Veränderung meiner Einstellung zum Fahrradhelm geführt hat. Jetzt finde ich den sogar ziemlich cool und meine 2,5-jährige Tochter ist stolz der Meinung, dass allein sie mich zum Tragen des Helmes bewegt hat. Schließlich setzt sie immer einen auf, wenn sie mit dem Laufrad loslegt und kennt es gar nicht anders.

Und so sieht es jetzt aus

Ich bin fitter geworden. Ich kann das gar nicht richtig beschreiben. Meine weitestgehend unbewegliche Präsenz ist einer Lust auf Bewegung gewichen. Die Strecken, die ich früher aus reiner Faulheit mit dem Auto gefahren bin, laufe oder radle ich heute – und das auch noch gern! Das ist verrückt, fühlt sich aber stimmig an. Ich glaube, dass ist die wichtigste Entdeckung daran. Mein Gewicht? Naja, ich habe lange nicht mehr gemessen. Die Waage und ich ignorieren uns einfach. Wir leben sozusagen in friedlicher Koexistenz. Manchmal sehe ich die Waage im Bad stehen und frage mich, wozu die da eigentlich noch steht.

Plötzlich Lust auf Laufen?!

Seit ein paar Wochen hat sich ein neues Gefühl eingestellt: ich möchte joggen gehen. Also nicht als Idee in meinem Kopf, sondern mir ist, als verlangt mein Körper nach dieser Art der Betätigung. Wo kommt das denn jetzt her? Dabei war es genau das Joggen, was mir vor 3 Jahren mein Knie demoliert hat und mich damals auf der rechten Seite für ein halbes Jahr hinken lies. Mein Arzt wollte das Knie operieren und damit begann eigentlich bereits meine Reise.

Jedenfalls will ich jetzt wieder laufen und traue mich noch nicht so recht. Was ist, wenn dann das Knie wieder verrückt spielt? Vielleicht bin ich einfach (noch) zu schwer dafür und die Belastung zu hoch? Das ist ja gerade der Vorteil des Fahrrads, dass die Knie total entlastet werden. Ich sollte anfangen darüber nachzudenken, wie ich von meinen 120 Kilo runterkomme… Liegt es vielleicht doch mehr am Essen als ich mir selbst eingestehe? Mir schwant da etwas – aber das ist noch nicht dran.

Keine Angst vor langen Strecken

Lange Strecken mit dem Fahrrad haben zwei Komponenten, die gut überlegt sein wollen. Erstens bedeutet es, dass man 6 und mehr Stunden ununterbrochen auf dem Rad fährt – also Ausdauersport betreibt. Und zweitens fehlen dann 6 Stunden für alle sonstigen Aktivitäten. Also „Butter bei die Fische“: Was bleibt auf der Strecke, wenn man zum Rennradfahrer werden will? Die Antwort darauf ist verblüffend und meine Sicht darauf hatte ich in einer früheren Story bereits mitgeteilt.

Neue Ziele

Wenn man einmal in 3 Tagen 500 km mit dem Rad gefahren ist, verschiebt sich das Gefühl für Distanzen. Selbst wesentlich kürzere Strecken, bei denen ich früher überlegte – Auto oder Rad – fallen nun oft zugunsten des Rennrades aus. Scheinbar liegt meine Schmerzgrenze für das Fahrrad bei 50 km und ich komme gar nicht auf den Gedanken, diese Strecke lieber mit dem Auto zu fahren. Das ist merkwürdig, weil mein Körper die einstige Faulheit irgendwie vergessen und wie schon erwähnt, fast nebenbei, gegen eine angenehme Lust auf Bewegung eingetauscht hat.

Während ich das so herunterschreibe überlege ich, ob mich diese Argumente vor Jahren dazu bewegt hätten, mir ein Rennrad zuzulegen. GANZ SICHER NICHT! Und hätte mir einer geraten Sport zu treiben, um meinen BMI zu verbessern, wäre ich da aufs Rad gestiegen? AUCH NICHT! Was nun in Allerherrgottsnamen hat mich auf diese spannende Rennradreise gebracht? Was war das auslösende Moment? Darüber werde ich in einer der nächsten Storys mal genauer nachdenken.

Dieser Text wurde von Lars Richter verfasst.

Ohne Schnick-Schnack und Gedöns

Menschen hinter der Parallelen Passion: Frida Löber

Menschen für Bewegung begeistern, die das wollen – tolle Sache. Frida Löber schafft das auch bei denen, die eher skeptisch sind. Kein Wunder bei der Authentizität, mit der diese Bewegungsfachfrau und Parallele-Passion-Mitfahrerin unterwegs ist. Besuch bei einer außergewöhnlichen Rennrad-Enthusiastin.

Raus aufs Land!

Frida Löber … irgendetwas klingelt da in den Ohren. „Ja, diese Ahrenshooper Künstlerin war meine Urgroßmutter“, erläutert Frida Löber fröhlich auf dem Weg vom Gartentor hinters Haus. Wir treffen uns zwischen Greifswald und Neubrandenburg auf dem Hof ihrer Eltern. Dort wuchs die gebürtige Stralsunderin auf. 50 km weit entfernt liegt das Anwesen von ihrem Wohnort entfernt, doch Frida fährt gerne dort hin, wann immer es ihre Zeit erlaubt.

Spross einer Künstlerfamilie

Eigentlich liebt Frida das Landleben. In die in ihren Augen bequemere Stadt ist sie für kürzere Schulwege ihrer elfjährigen Tochter gezogen. Fridas Instragram-Account zeigt denn auch eher Land als Stadt – und dass sie aus einer Künstlerfamilie stammt, ist ihren Bildern anzusehen. Frida winkt lächelnd ab, dann folgt eine einladende Handbewegung über das Gelände. „Schau’s dir an. So sieht es halt einfach aus bei uns“, sagt sie.

Etwas mit den Händen machen …

Frida macht jedoch keine Kunst, sondern absolvierte nach einem sehr guten Abitur zunächst eine Ausbildung zur Gärtnerin im Bio-Gemüseanbau. Anschließend arbeitete sie in einer Genossenschaft für Teekräuter, wo sie sehr bald ins Marketing wechselte. „Das war so gar nicht meins. Ich überlegte neu und entschied mich für Physiotherapie. Ich wollte nicht studieren, sondern etwas mit den Händen machen!“, sagt Frida.    

… und mit viel Bewegung

Mit den Füßen macht sie allerdings ebenfalls sehr viel, denn täglich ist sie mindestens 40 Kilometer auf ihrem Rennrad unterwegs. Als hätte sie im Rahmen ihrer Tätigkeit bei Outness, einem Unternehmen für Personal Training, Outdoor-Fitness, Prävention und Gesundheitsmanagement in Neubrandenburg, nicht bereits genügend Bewegung.

Ab hinter die Komfortzone!

Bei Outness gibt die drahtige Powerfrau drei bis vier Sportkurse am Tag, von Wirbelsäulengymnastik über Entspannung bis hin zu Functional Fitness. Sie motiviert für mehr Bewegung und gibt Tipps für gesunde Ernährung. Ist das nicht ein bisschen anstrengend auf Dauer, da noch privat so lange Strecken dem Fahrrad zurückzulegen? Frida lacht: „Hinter der Komfortzone beginnt doch erst das Spannende! Das sage ich auch den Menschen, die ich in den Kursen anleite. Liebevoll und trotzdem herausfordernd!“

Vorbild und Ehrgeiz

Ein bisschen anders solle man sich also durch mehr Bewegung durchaus fühlen. Sport bringe einen raus aus dem Stress, Fahrradfahren schade niemandem, sondern täte einem nur gut. Außerdem habe sie Vorbildwirkung. Aber – fügt sie verschmitzt hinzu – sie sei auch eine sehr ehrgeizige Person. Früher habe sie das nicht so gesehen. Doch seit ihr das mittlerweile mehrere Menschen gesagt hätten, stünde sie endlich dazu, dass sie so sei. „Ich hole mir bei Strava auch Kronen. Denn ich liebe Challenges“, sagt Frida und strahlt.

Mit dem Stahlrad flott unterwegs

Begonnen habe sie vor ein paar Jahren mit kleinen Abendrunden von 35 km Länge. Die habe sie auf dem 1942er Diamantrad zurückgelegt, das ihrem Großvater gehörte und nur vier Gänge hat. Trotz modernem Lenker sei sie auf ihren Touren eher mitleidig betrachtet worden. Anfang des Jahres schenkte ihr ein Freund ihres Vaters sein erheblich moderneres Rennrad. Seither genießt Frida auch dieses andere, viel leichtere Fahrgefühl ohne Mitleidsblicke.

Einfach radbegeistert

Gerne hätte die Vielfahrerin an der Mecklenburger Seenrunde teilgenommen. Weil diese wegen Corona ausfiel, kam sie wie zahlreiche andere Radbegeisterte zur Parallelen Passion. „Gemeinsam für eine gute Sache Kilometer machen, das finde ich großartig“, sagt Frida, die im Jahr rund 9.000 Kilometer fährt, sich aber nicht als Radsportlerin sieht. „Ich liebe es einfach, Rad zu fahren. Ohne Schnickschnack und Gedöns.“

Fantastische Landfrauen

Auf dem Hof ihrer Eltern, beide bekannte Keramiker, ist es wirklich sehr schön. Doch Frida schaut auf die Uhr. Sie hat am Abend rund 20 km entfernt noch eine Sitzung des von ihr mitgegründeten Frauenvereins Femme Fantastic. „Für 25 bis 40 Jahre alte Frauen vom Lande, die in Städte gezogen waren und nun wieder auf dem Land leben“, erläutert Frida. „Da gibt es viel zu beraten und zu unterstützen.“

Mehr als ein Händchen für Entfaltung

Also heißt es Abschied nehmen, während die Sonne langsam hinter den Feldern untergeht. Der große Garten liegt im Abendschein, Frida schaut in die Weite, und man bekommt das Gefühl, dass man es hier doch mit einer ganz besonderen Künstlerin zu tun hat. Einer Künstlerin für Bewegung und Motivation, die Menschen achtsam anleitet, hegt und pflegt, weil sie um deren Entfaltungsmöglichkeiten weiß. Sie weiß dabei auch um die weiten Wege, die manchmal zurückgelegt werden müssen, um dauerhaft von der Couch herunter in ein aktives Leben zu finden.

Fahren wollen statt müssen

Irgendwann möchte sie ganz auf den elterlichen Hof zwischen Greifswald und Neubrandenburg zurückkehren, erzählt Frida und grinst: „Dann fehlen mir natürlich die häufigen Fahrten von Neubrandenburg zum Hof und zurück. Macht aber nix. Ich fahr halt, weil ich will. Und nicht, weil ich muss. Schöne lange Strecken gibt’s hier ja genug.“

Bilder, Sprüche, Inspiration

Angepeilte Menge für 2020 sind 10.000 km, Anfang Juli hat Frida bereits 5.000 km beisammen. Doch sind dies nicht nur Zahlen. Diese Parallele-Passion-Mitfahrerin säumt ihre Wege mit wunderschönen Bildern und starken Sprüchen, zu erleben auf Strava, aber vor allem hier. Wer mag, kann Frida folgen und sich inspirieren lassen. 

Das Team der Parallelen Passion bedankt sich für die schöne Zeit auf dem Land. Wir sind immer wieder erstaunt, wer alles so bei uns dabei ist.

Hier geht´s zum Strava-Profil von Frida.

Berlin mit Radelaugen sehen

Menschen hinter der Parallelen Passion: Romy Förster

Wir stellen die Menschen hinter der Parallelen Passion vor.

Wer konzipiert eigentlich Plätze vor öffentlichen Gebäuden, großen Wohnkomplexen oder Schulen? Leute, die bei der Parallelen Passion mitfahren. Das ist praktisch, denn so können Städte immer fahrradfreundlicher werden. Darum: Lokaltermin in Berlin-Pankow, bzw. Karow. Hier lebt Romy Förster, Landschaftsarchitektin und begeisterte Fahrradfahrerin.

Knallrote Rose plus Gravel

„Mein erstes Rennrad habe ich mir gebraucht gekauft, so erstmal zum Testen“, erzählt Romy und fügt fröhlich hinzu: „Ein halbes Jahr später erstand ich dann jedoch ein neues von der Firma Rose. Knallrot. Vor drei Wochen habe ich mir noch ein Gravelbike angeschafft, jetzt habe ich erstmal genug Zweiräder.“

Alles mit dem Rad

Die gebürtige Rostockerin ist schon immer viel Fahrrad gefahren. Zwar hat Romy einen Führerschein, aber kein Auto. Vor allem, weil das Fahrrad in Berlin einfach das schnellste und praktischste Fortbewegungsmittel ist. Das Rad nutze sie auch für lange Strecken. „Jedes Jahr mache ich mit Freunden eine viertägige Tour. Aber mit dem Singlespeed und 15 kg Gepäck an die Ostsee, das mache ich nie wieder!“, sagt Romy.

Nummer drei: das Stadtmobil

Es fängt leicht an zu nieseln. Kein Grund für Romy, Jahrgang 1988, aufs Fahrrad zu verzichten. Sie fährt bei Wind und Wetter, nur nicht bei Eis und Schnee. Für die kleine Interviewtour durch Berlin schwingt sie sich auf ihr komfortables Stadtmobil, ihr Fahrrad Nummer drei. Das sei schön bequem, und sie könne es überall anschließen.

Lange Touren, neue Freunde

So radeln wir durch Berlin. Als ein Rennradfahrer vorbeikommt, ruft Romy: „Weil ich immer wieder solche Leute gesehen habe, bin ich selbst zum Rennrad gekommen.“ Sie hätte es einfach toll gefunden. Leider sei dieses Hobby zugleich teuer. Darum habe sie zunächst mit dem gebrauchten Rad und vorsichtigen Touren von 20 bis 30 km Länge begonnen. Auch bei der Strava-App habe sie sich gleich angemeldet. Eines Tages erhielt sie dort die Mitfahr-Einladung einer Pankower Radelgruppe, aus der sehr bald der Radelkader Panke entstand.

Viel los in jeder Woche

Seither ist Romy oft mit diesem Kader unterwegs. „Die Gruppe wächst auch, es kommen immer neue und ebenfalls nette Leute dazu“, so Romy, die Montag, 19 Uhr, fest in ihren Kalender eingetragen hat. Denn da trifft sich der Kader regelmäßig für eine gemeinsame Fahrt. Am Mittwoch stehen 40 km Graveltour auf dem Programm. Zweimal in der Woche werden Feierabendrunden angeboten, am Wochenende kann man in der Gruppe fragen, ob jemand Lust auf eine Tour habe. „Ich glaube, die Gruppe ist mit ein Grund dafür, dass ich am Rennrad dranbleibe“, sagt Romy, die – wenn sie nicht im Home-Office arbeitet – jeden Tag die 20 km zu ihrer Arbeitsstelle hin- und wieder zurückfährt. 

Gemeinsam und gute Sache – her damit

Sehr gerne wäre Romy die Mecklenburger Seenrunde mitgefahren, die wegen Corona ausfallen musste. Durch die Absage-Mail des Veranstalters habe sie von der Parallelen Passion erfahren und sofort entschieden, mitzumachen: „Bei Strava war ich ja bereits. Gemeinschaftlich radeln für eine gute Sache – das hat mir gefallen. Darum bin ich mit dabei.“

Augen für die Stadt

Der Regen ist langsam unangenehm. Wir halten und suchen Schutz unter einer U-Bahn Trasse. „Auf dem Fahrrad sehe ich die Stadt mit anderen Augen“, schreit Romy, um den Regen und Social Distancing zu übertönen. Das Büro, in dem sie als Landschaftsarchitektin arbeitet, plant unter anderem das Aussehen von Straßen und Wegen in Berlin. „Wir setzen uns auch für Radwege und vernünftige Straßenbeläge ein, sind aber keine Verkehrsplaner. Unsere Aufgaben sind Räume im Straßenland, darunter Plätze vor Gebäuden“, erzählt Romy. „Auch dort müssen Radfahrer ja gut klarkommen. Also – von daher hat mein Beruf durchaus etwas mit dem Thema Fahrrad zu tun.“

Weniger Auto, mehr Rad

Das Büro, in dem Romy tätig ist, wird unter anderem von Bezirksämtern und Wohnungsbaugesellschaften beauftragt. Gerne würde sie an der einen oder anderen Stelle mehr in Richtung Fahrrad vorantreiben, doch könne sie nur vorschlagen: „Weg vom Auto, hin zum Fahrrad. Und weniger Konflikte zwischen Auto- und Fahrradfahren. Das ist mir beides sehr wichtig. Die Stellschrauben drehen jedoch andere.“ 

Marathons am Horizont

Dafür schraubt Romy immer mehr selbst an ihren Fahrrädern herum. Kleine Reparaturen führt sie in Eigenregie durch, ihr Gravelbike hat sie alleine fertig montiert. Bei größerem Schraubbedarf fragt sie ihre Freunde vom Radelkader Panke. Gegenwärtig bereitet sich das Team auf die Teilnahme am Marathon rund um Berlin und den Hügelmarathon Prenzlau. vor. „Bin mal gespannt, was mir bei den Touren so auffallen wird in Richtung mehr und besserer Platz für Fahrräder,“ so Romy.

Neue Radwege durch Corona

Die Popup-Radwege, die vor allem in Berlin in der Coronazeit ausgewiesen wurden, gefallen der Architektin für öffentliche Flächen sehr. Noch sei nicht klar, ob diese Strecken so bleiben können. Doch vielleicht habe die Coronazeit ja Entscheidungsprozesse verschnellert. Romy hofft, dass viele dieser Wege bleiben können. Wer weiß, vielleicht gibt es dann bald einen Pop-up-Marathon auf neuen Fahrradwegen in Berlin. Sehr spannend findet Romy auch das Stadtprojekt „Radbahn“: unter einem denkmalgeschützten Hochbahn-Viadukt soll ein überdachter Radweg entstehen.

In den Sommerabend radeln

Bis es soweit ist und darüber hinaus wünscht das Team der Parallelen Passion stets gut ausgebaute Wege, viel Spaß mit dem Radelkader Panke – und natürlich mit der Parallelen Passion. Der Regen hat jetzt aufgehört, die Sonne kommt heraus. Romy winkt und radelt, nein, natürlich nicht nach Hause. Sondern sie wird an diesem schönen Sommerabend noch eine Runde mit einer Strava-Radel-Freundin drehen, die sich gerade per App gemeldet hat.

Hier geht´s zu Romys Strava-Profil.