Plötzlich ohne Kontrolle

In diesem kurzen Drama in fünf Akten beschreibt Thimo, wie aus einer kleinen Ausfahrt ein Lehrstück für Sicherheit beim Fahrradfahren wurde.

Erster Akt: Kleine Ausfahrt nach Feierabend

Mein Kollege Hannes und ich entschieden uns spontan dazu, nach der Arbeit eine kleine Ausfahrt zu machen. Trotz des grauen Himmels fuhren wir los, um den Wolken zu entfliehen und im schönsten Sonnenschein eine Runde um den Cospudener See zu drehen.

Wie der Zufall es wollte, trafen wir am Westufer des Cossis einen radbegeisterten Kollegen, der daraufhin – natürlich mit dem zu Coronazeiten gebotenen Mindestabstand – spontan beschloss, mit uns zu kommen. Wir waren gut drauf, das gemeinsame Fahren machte uns einen Riesenspaß.

Also entschlossen wir uns, einfach noch einen weiteren See mitzunehmen. Da im Leipziger Neuseenland bis zum nächsten Gewässer nicht weit gestrampelt werden muss, waren wir im Nu am Markkleeberger See.

Zweiter Akt: Gas geben am Anstieg

… und schon waren wir bei einem kleinen Anstieg angekommen, an dem ich es immer genieße, einfach mal Gas zu geben. Also Po hoch, über den Lenker beugen und maximale Wattzahl in die Pedale preschen.

Einfach geil.

Eigentlich.

Dritter Akt: Knall und Fall

Dann folgten zwei Sekunden, in denen sehr viel passierte und es sich anfühlte, als ob ich wie in Zeitlupe zuschauen könnte. Zuerst sprang die Kette ab. Kurz danach verlor ich den Kontakt zur Pedale und landete entsprechend unsanft auf dem Mittelrohr. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte ich realisiert: Kontrolle verloren! Mich fasziniert immer noch, wie gefühlt lange mein Gehirn für diesen Prozess benötigte. Tatsächlich waren es wahrscheinlich nur Bruchteile von Sekunden.

Und patsch! Ich knallte voll auf meine Hüfte auf. Meine Brille sah ich im hohen Bogen durch die Luft fliegen. Ich selber rutschte wie ein nasser Sack in den Graben neben dem Weg.

Vierter Akt: Die Sekunden danach

Endstation.

Meine Kollegen kamen sofort zu mir, begutachteten mich und halfen mir. Meine ersten Gedanken kreisten unaufhörlich um meine Brille. War sie noch ganz? Werde ich sie noch aufsetzen können? Finde ich sie überhaupt wieder?

Zum Glück überreichte mir einer der Mitfahrer die Brille sofort, sie zwar in einem tadellosen Zustand. Und meine Hüfte? Schließlich fühlte sich der Aufprall nicht gerade an wie ein Fallen ins weiche Bett. Ich rappelte mich auf.

Toi, Toi, Toi. Mir war nichts weiter passiert und ich konnte weiterfahren. Klar, hier und da hatte ich einen blauen Fleck, außerdem ein kleines Wehwehchen an der Hand. Ansonsten blieb ich zum Glück von größeren Schmerzen verschont.

Fünfter Akt: Glück im Unglück

Was ich daraus gelernt habe: Immer einen Helm tragen. Denn auch wenn man auf dem schönsten Fahrradweg unterwegs ist, ebenen Untergrund und weite Sicht hat – ein Unfall kann jederzeit wie aus dem Nichts geschehen.

Ich hatte Glück im Unglück. Seid Ihr bitte vorsichtig, setzt einen Helm auf und fahrt am besten mit Freunden, die im Notfall helfen können. Damit aus einem Drama keine Tragödie wird.

Mille Grazie Paolinho!

Vielen Dank Hannes!

Dieser Text wurde von Thimo Lübcke geschrieben, Bereichsleiter bei Checkstone und mittlerweile mit Helm unterwegs. Hier geht´s zu seinem Strava-Profil.

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