Betrachtungen aus 20 Wochen Rennradfahren

In regelmäßigen Abständen berichtet Lars Richter über seine Erfahrungen als Einsteiger in den Rennradsport. Er nahm uns bereits mit auf eine Sinnesreise rund um die Leipziger Seen, erzählte uns von seinem kleinen Fahrradwunder und ließ uns an seiner Radtour an die Ostsee teilhaben. Nun sind insgesamt 20 Wochen vergangen und es ist Zeit für ein kleines Resümee über die kleinen und großen Merkwürdigkeiten, die der neue Lebensstil mit sich bringt.

Ein kurzer Rückblick

Seit dem 1. März 2020 fahre ich nun regelmäßig mit dem Rennrad. Das sind Stand heute 143 Tage. Mir kommt es so vor, als hätte ich die letzten Jahre mit Sport, Rennradfahren und ständiger Bewegung verbracht. Doch das stimmt so nicht. Ich war eine Couchpotato und habe mein Leben einige Jahre in innerer und mit äußerer Ruhe verbracht. Mein Bodymassindex war unschön hoch – und ist es wohl auch noch…

Aber ich fühle und erlebe mich mittlerweile völlig anders. Dazu später mehr.

Drei Mal habe ich mich mit dem Rennrad „hingebrettert“, was zu einer Veränderung meiner Einstellung zum Fahrradhelm geführt hat. Jetzt finde ich den sogar ziemlich cool und meine 2,5-jährige Tochter ist stolz der Meinung, dass allein sie mich zum Tragen des Helmes bewegt hat. Schließlich setzt sie immer einen auf, wenn sie mit dem Laufrad loslegt und kennt es gar nicht anders.

Und so sieht es jetzt aus

Ich bin fitter geworden. Ich kann das gar nicht richtig beschreiben. Meine weitestgehend unbewegliche Präsenz ist einer Lust auf Bewegung gewichen. Die Strecken, die ich früher aus reiner Faulheit mit dem Auto gefahren bin, laufe oder radle ich heute – und das auch noch gern! Das ist verrückt, fühlt sich aber stimmig an. Ich glaube, dass ist die wichtigste Entdeckung daran. Mein Gewicht? Naja, ich habe lange nicht mehr gemessen. Die Waage und ich ignorieren uns einfach. Wir leben sozusagen in friedlicher Koexistenz. Manchmal sehe ich die Waage im Bad stehen und frage mich, wozu die da eigentlich noch steht.

Plötzlich Lust auf Laufen?!

Seit ein paar Wochen hat sich ein neues Gefühl eingestellt: ich möchte joggen gehen. Also nicht als Idee in meinem Kopf, sondern mir ist, als verlangt mein Körper nach dieser Art der Betätigung. Wo kommt das denn jetzt her? Dabei war es genau das Joggen, was mir vor 3 Jahren mein Knie demoliert hat und mich damals auf der rechten Seite für ein halbes Jahr hinken lies. Mein Arzt wollte das Knie operieren und damit begann eigentlich bereits meine Reise.

Jedenfalls will ich jetzt wieder laufen und traue mich noch nicht so recht. Was ist, wenn dann das Knie wieder verrückt spielt? Vielleicht bin ich einfach (noch) zu schwer dafür und die Belastung zu hoch? Das ist ja gerade der Vorteil des Fahrrads, dass die Knie total entlastet werden. Ich sollte anfangen darüber nachzudenken, wie ich von meinen 120 Kilo runterkomme… Liegt es vielleicht doch mehr am Essen als ich mir selbst eingestehe? Mir schwant da etwas – aber das ist noch nicht dran.

Keine Angst vor langen Strecken

Lange Strecken mit dem Fahrrad haben zwei Komponenten, die gut überlegt sein wollen. Erstens bedeutet es, dass man 6 und mehr Stunden ununterbrochen auf dem Rad fährt – also Ausdauersport betreibt. Und zweitens fehlen dann 6 Stunden für alle sonstigen Aktivitäten. Also „Butter bei die Fische“: Was bleibt auf der Strecke, wenn man zum Rennradfahrer werden will? Die Antwort darauf ist verblüffend und meine Sicht darauf hatte ich in einer früheren Story bereits mitgeteilt.

Neue Ziele

Wenn man einmal in 3 Tagen 500 km mit dem Rad gefahren ist, verschiebt sich das Gefühl für Distanzen. Selbst wesentlich kürzere Strecken, bei denen ich früher überlegte – Auto oder Rad – fallen nun oft zugunsten des Rennrades aus. Scheinbar liegt meine Schmerzgrenze für das Fahrrad bei 50 km und ich komme gar nicht auf den Gedanken, diese Strecke lieber mit dem Auto zu fahren. Das ist merkwürdig, weil mein Körper die einstige Faulheit irgendwie vergessen und wie schon erwähnt, fast nebenbei, gegen eine angenehme Lust auf Bewegung eingetauscht hat.

Während ich das so herunterschreibe überlege ich, ob mich diese Argumente vor Jahren dazu bewegt hätten, mir ein Rennrad zuzulegen. GANZ SICHER NICHT! Und hätte mir einer geraten Sport zu treiben, um meinen BMI zu verbessern, wäre ich da aufs Rad gestiegen? AUCH NICHT! Was nun in Allerherrgottsnamen hat mich auf diese spannende Rennradreise gebracht? Was war das auslösende Moment? Darüber werde ich in einer der nächsten Storys mal genauer nachdenken.

Dieser Text wurde von Lars Richter verfasst.

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