Menschen hinter der Parallelen Passion: Heiko Eger

Wir stellen die Menschen hinter der Parallelen Passion vor.

Für die Parallele Passion fahren nicht nur Zweiräder. Auch dreirädrige Handbikes sind unterwegs. Ein ganz besonderes fährt Heiko Eger. Von Geburt an querschnittsgelähmt, ist er seit Beginn der Fahrrad-Challenge mit seinem Rollstuhl samt Sonderanfertigung dabei. Am liebsten fährt er mit seiner Freundin Jacqueline, doch die hat nicht immer Zeit.

Querschnittsgelähmt seit Geburt

„Ich bin Baujahr 1980. Leider kam ich mit Spina bifida auf die Welt, einer Fehlbildung der Wirbelsäule“, erzählt Heiko. „Die gibt es in verschiedenen Varianten. Meine hat dazu geführt, dass ich von Geburt an querschnittsgelähmt bin.“ Zum Glück, so Heiko, entwickeln sich bei ihm keine weiteren Erkrankungen oder Lähmungen, wie das durchaus bei anderen Formen dieses sogenannten „offenen Rückens“ vorkommen kann.

Zu Hause in Wurzen

Heiko ist das zweite Kind von sieben Geschwistern. Die fünf Jungen und zwei Mädchen sind alle in Wurzen aufgewachsen, dem Geburtsort des Dichters Joachim Ringelnatz. Die Brüder und Schwestern wohnen heute im Umkreis, die Eltern sind weiter in Wurzen zu Hause. Heiko lebt ebenfalls in der „Ringelnatzstadt“, aber in einer eigenen Wohnung und gemeinsam mit seiner Freundin.

Abstecher nach München

In München absolvierte Heiko nach der Schulzeit eine Lehre zur Bürofachkraft – durch eine schöne Fügung war das möglich geworden. „Leider bin ich im halben Jahr vor der Prüfung krank geworden und konnte den Abschluss nicht machen“, sagt Heiko, der heute EU-Rentner ist. EU hat allerdings nichts mit Europa zu tun, sondern bedeutet Erwerbsunfähigkeit. „Auf dem Papier bin ich ein Mensch mit 100 Prozent Behinderung.“

Ein Handbike muss her!

Aber nur im Rolli sitzen und aufgrund von zu wenig Bewegung immer dicker werden, das wollte Heiko nicht. Darum engagierte er sich dafür, seinen Rollstuhl als Handbike umbauen zu können. „In der Schulzeit habe ich mal einen Kameraden mit so einem Fahrrad gesehen. Das hatte mir gefallen“, erinnert sich Heiko. „Das fand ich toll, weil das so eine wunderbare Fortbewegungsmöglichkeit ist.“

Sich anders stärken können

Beim Fahren nur im Rollstuhl wird vor allem die Schulterpartie sehr belastet. Über die Jahre bekam Heiko gesundheitliche Probleme in diesem Bereich. Dank des sogenannten Vorspannbikes, das er ganz einfach selbst vorne an seinem Rollstuhl befestigen kann, änderte sich das 2016, berichtet Heiko in seiner ruhigen und bedächtigen Art: „Mit diesem Handbike kann ich mich seither ganz anders stärken. Das Fahrzeug ist für meine Fortbewegung und Gesundheit förderlich.“ 

Wichtig: Fitter Oberkörper

Seine Behinderung an sich könne er durch das Handbike nicht verbessern. Doch sein Oberkörper sei fitter, und auch seinen Schultern gehe es besser. Leider habe er immer noch einen ziemlichen Bauch, doch das könne man als Rollifahrer nur schwer verhindern. „Man sitzt ja die ganze Zeit!“, sagt Heiko und zeigt, wie schnell sich das Vorspannbike an seinem Rollstuhl befestigen lässt. Mithilfe von Adaptern sind es nur wenige Handgriffe. Ist das Gestell mit dem großen Rad angekoppelt, heben sich die kleineren Räder vorne am Rolli an – und ab nun übernimmt das vordere Teil die Lenkfunktion, die sonst die kleinen Räder haben.

Gerne zu zweit unterwegs

… und los geht’s! Heiko macht dabei mit den Händen, was andere mit den Füßen erledigen, nämlich die Pedale des „Rollibikes“ bewegen. Heikos längste Tour waren bislang 50 Kilometer. Sehr gerne führe er gemeinsam mit anderen, sagt er und reduziert die Geschwindigkeit, damit man als Fußgänger Schritt hält. Man könne sich zu zweit besser motivieren und auspowern. Zumindest dann, wenn der andere ebenfalls Fahrrad fährt und nicht zu Fuß geht wie jetzt gerade.

„Die Parallele Passion: eine echt schöne Sache!“

Auch mit seinem Bruder sei er schon gefahren. Am liebsten wäre er natürlich mit Jacqueline unterwegs, seiner Freundin. Über sie kam Heiko zur Parallelen Passion. Jacqueline arbeitet bei CHECKSTONE, dem Initiator der ungewöhnlichen Fahrrad-Charity-Challenge. „Sie erzählte mir von der Parallelen Passion, und da habe ich gleich gesagt, dass ich das gerne mitmache. Denn ich finde das eine echt schöne Sache! Jacqueline hat nur nicht so viel Zeit wie ich, weil sie ja berufstätig ist.“

Immer Strava-App einschalten

Auf die Frage, ob er denn für diesen kleinen Spaziergang die Strava-App eingeschaltet hätte, erwidert Heiko: „Nein, bei so kurzen Wegen mach ich das nicht. Ich weiß nicht, ob das Sinn hat.“ Auf die Anmerkung hin, dass die App auch kleinere Wege misst und einspeist, reagiert Heiko sehr erfreut. Er werde das sofort umstellen – hält an, schaltet die App an und nimmt wieder Fahrt auf.

Gerne unterwegs und ansprechbar

Während wir unterwegs sind, wird Heiko von zahlreichen Leuten interessiert betrachtet. Ja, meint Heiko, es würden viele gucken. Aber das kenne er als Rollifahrer ja. Er würde sich freuen, wenn die Menschen ihn auch mal ansprächen. Ältere Leute hätten das durchaus schon getan. Jüngere bis mittelalte hätten vielleicht Angst, etwas Falsches zu sagen. Dabei sei diese Angst ganz unbegründet. „Wir wollen so behandelt werden, wie jeder andere Mensch auch“, sagt Heiko.

Längste Strecke toppen

Fahrradfahren macht Heiko Spaß. Er ist gerne draußen und fände es Klasse, wenn nette Leute Lust hätten, mit ihm zusammen zu fahren. Sein Handbike sei nur halt kein Rennrad, gibt er zu bedenken. Doch die 50 Tageskilometer mal zu toppen – dazu hätte er durchaus Lust. Ein Kilometer von Heiko ist dann auch bereits schon wieder in der Strava-App aufgelaufen und hochgeladen, auf dem Rückweg kommt ein zweiter dazu.

Gemeinsam treten und händeln

Von weitem sehen wir bereits Jacqueline mit ihrem Fahrrad vorm Haus stehen. Sie winkt fröhlich, Heiko winkt zurück. Da werden vermutlich heute noch einige Kilometer mehr für die Parallele Passion dazukommen …

Das Team der Parallelen Passion wünscht beiden immer gute Fahrt beim Pedaletreten und -händeln.

Hier geht es zum Strava-Profil von Heiko.

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