Die Geburtsstunde des Zweirads

Wenn wir an Fahrräder denken, haben die meisten von uns sicher ein modernes Stadtrad, Mountainbike oder Rennrad vor Augen. Doch wo kommt das Fahrrad her, auf dem wir für unsere Challenge fahren, und wann wurde es entwickelt?

„Eine neu erfundene Fahrmaschine: Der Freiherr von Drais ist, nach glaubwürdigen Zeugnissen, Donnerstag den 12ten Juni des Jahres mit der neuesten Gattung der von ihm erfundenen Fahrmaschine ohne Pferd von Mannheim bis an das Schwetzinger Relaishaus und wieder zurück, also vier Poststunden Wegs in einer Stunde Zeit gefahren.“ 

Karlsruher Zeitung im Juli 1817

Keine Pedale und Holz: die Anfänge

Wo kommt das Fahrrad her, Kleine Geschichte des Fahrrads

Die Geschichte des Fahrrades nahm 1817 in Mannheim Fahrt auf, nämlich mit der Erfindung eines Zweirads ohne Pedale- der Draisine. Und aus Holz. Karl von Drais entwickelte dieses Laufrad, welches als Vorbild für das heutige Fahrrad gilt. Bequem war es nicht, aber auf längere Strecken sogar schneller als Pferdekutschen. Ungefähr 50 Jahre später kam die Entwicklung mit Pedalen, Gummireifen und Kurbelantrieb dann in die heiße Phase. Immer mehr dieser modernen Zweiräder waren auf den Straßen zu sehen und konkurrierten mit den allseits bekannten Kutschen. Spätestens mit dem Hochrad, was wir noch als antiquiertes und lustig anzusehendes Gefährt kennen, war das Fahrrad gesellschaftsfähig geworden. In den letzten 20 Jahren des 19. Jahrhunderts bekamen die Räder schließlich die Form, die wir auch heute noch kennen, und zwar als sogenanntes Sicherheitsniederrad. Der Diamantrahmen und das Rennrad waren geboren. Sogar größere Radrennen wurden schon ausgetragen.

Das erste Massenverkehrsmittel der Welt

Im Laufe der Jahre kamen nun immer mehr Modelle hinzu und die Technik verbesserte sich. Die Produktion der Fahrräder steigerte sich mehr und mehr und die Preise sanken, so dass sich nun fast jeder Bürger eins leisten konnte. Das einstige Projekt entwickelte sich zum ersten individuellen Massenverkehrsmittel der Welt. In Folge der Industrialisierung und Urbanisierung verlängerten sich die Arbeitswege der meisten Menschen. Das Fahrrad war hier das Mittel der Wahl, um auf Arbeit zu kommen. Schätzungsweise benutzten 1936 in deutschen Großstädten zwischen 43% und 61 % der Arbeiter und Arbeiterinnen das Rad für den Arbeitsweg. Bis in die 1950’er Jahre war das Fahrrad DAS Verkehrsmittel für den Individualverkehr, bis es zunehmend vom Automobil verdrängt wurde.

Die Renaissance des Fahrrads

Erst im Zuge der Ölkrisen und der aufkommenden Umweltbewegungen der 1970’er Jahre gewann das Zweirad wieder etwas mehr an Bedeutung. Mittlerweile besitzen über 80 Prozent der deutschen Haushalte mindestens ein Fahrrad. Stimmen werden lauter, aus den autogerechten Städten nun auch fahrradfreundliche Städte zu machen, schließlich sind nun nicht nur muskelkraftbetriebene Zweiräder auf unseren Straßen unterwegs, sondern auch zunehmend Elektrofahrräder. Ganz gegensätzlich ist der Trend zu schicken Vintage-Rädern, die an die schönen Formen vergangener Jahrzehnte erinnern. Was auch immer gefällt, kann mittlerweile gefahren werden, Radwege werden immer besser ausgebaut und die Radmobilität nimmt zu. Es bleibt also spannend, welche Neuerungen in Sachen Fahrrad in den nächsten Jahren auf uns zukommen.